Archiv für die Kategorie ‘Raumfahrtgeschichte

Spacewalker – „Vremya Pervykh – Die Zeit der Ersten“

(veröffentlicht auf: https://www.raumfahrer.net/news/raumfahrt/05112017092624.shtml am 05.11.2017)

Der russische Kinofilm „Vremya Pervykh – Die Zeit der Ersten“ über den historischen Flug von Woschod 2 ist als DVD in deutscher Synchronisation erschienen.

Im April 2017 ist der russische Kinofilm zum 50. Flugjubiläum von Woschod 2 in den russischen Kinos angelaufen. Also brandneu. Man könnte aber auch sagen: Etwas verspätet, denn schließlich war der 50. Jahrestag des historischen Fluges von Woschod 2 schon vor zwei Jahren. In einigen ausgewählten deutschen Kinos konnte man sich in Sonderveranstaltungen dieses Werk in 3D in der Originalfassung (Russisch ohne Untertitel) vorab ansehen. Ich hatte Gelegenheit, in Berlin-Marzahn im tiefsten Osten Berlins einer solchen Filmvorführung bei zu wohnen. Fünf Minuten vor Beginn der Vorstellung saß ich allein in dem riesigen Kinosaal. Fünf Minuten nach Filmbeginn war der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt – mit fast ausschließlich russischem Publikum. Ein Heimspiel gewissermaßen.

Ich hatte damals Abstand genommen, über dieses Kinoereignis einen Bericht zu schreiben. Zu theatralisch, zu aufgesetzt und zu heldenkultig erschien mir der Streifen. Ein russischer Film über eine russische Geschichte für das russische Publikum. Seit Ende Oktober 2017 ist nun dieser Streifen unter dem Titel „Spacewalker“ in der deutschen Synchronfassung auf DVD erhältlich. Nach dreimaligem Ansehen komme ich zu dem Schluss: So schlecht ist er dann doch nicht. Im Gegenteil! Ob es an der deutschen Synchronisation liegt, dank der man nun die ganzen Anspielungen und Doppeldeutigkeiten besser versteht? Das könnte schon sein.
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Veröffentlicht November 5, 2017 von freundederraumfahrt in Kinoseite, Raumfahrtgeschichte

Rückblende: Pjotr Iwanowitsch Dolgow …

(veröffentlicht auf: https://www.raumfahrer.net/news/raumfahrt/02112017000153.shtml am 02.11.2017)

… Stratosphärenspringer und Phantomkosmonaut – Zu seinem 55. Todestag …
Zur Yuris’s Night am 12. April 2017 hielt Andreas Weise einen Vortrag im Wiener Naturhistorischen Museum. Der Vortrag basierte auf dem folgenden Artikel.


Prolog
…in uralten vergilbten Zeitungen geblättert…

Lesen in alten Printmedien ist interessant. In vielen alten Zeitschriften und Magazinen, die auch schon mal ein halbes Jahrhundert und älter seien dürfen, finden sich Beschreibungen und Hinweise auf Geschichten und Geschichte, die im Abstand der heutigen Zeit zwar fast vergessen, aber wieder ausgegraben immer noch spannend sind.

Der November 1962 war eine sehr bewegte Zeit. Außenpolitisch war die Menschheit gerade knapp an ihrer eigenen Vernichtung vorbei geschrammt, ohne sich dessen wirklich richtig bewusst geworden zu sein. Die sogenannte Kuba-Krise als Fast-Auslöser eines Atomkrieges war erst wenige Tage her. In der alten Bundesrepublik beschäftigte man sich innenpolitisch mit der SPIEGEL-Affäre. Herausgeber Rudolf Augstein saß wegen des Vorwurfs des Landesverrates gerade in Untersuchungshaft. Die Topmeldung zur Raumfahrt in der DDR war am 2. November der Start der sowjetischen Sonde Mars 1. Ein Thema, das in der Ostberliner Presse bereitwillig ausgebreitet wurde, in den Westberliner Zeitungen aber nur kurz Erwähnung fand. Hinter diesem medialen Hintergrund verblüffte es schon ein wenig, dass das Hamburger Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL am 21. November 1962 auf einer der letzten Seiten folgende kleine Notiz brachte:

„GESTORBEN . . .
. . . PJOTR IWANOWITSCH DOLGOW, 41, sowjetischer Oberst, Konstrukteur der Schleudersitze für die sowjetischen Weltraumschiffe vom Typ „Wostok“ und Weltrekord-Fallschirmspringer; nach einer Meldung der sowjetischen Armeezeitung „Roter Stern“ in „Ausübung seiner Pflichten“.“

(zitiert aus DER SPIEGEL, 21.11.1962, Nr.47, Seite 132)

Es muss also etwas Besonderes mit diesem Oberst Dolgow auf sich haben, wenn ein westliches Nachrichtenmagazin diesen Sowjetmenschen bemerkt und für erwähnenswert erachtet.
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Veröffentlicht November 2, 2017 von freundederraumfahrt in Raumfahrtgeschichte, Technik und Projekte

Rückblende: Es begann mit einem Piep…

Am 4. Oktober 1957 startete der erste künstliche Erdsatellit Sputnik 1. Mit ihm begann vor 60 Jahren das Zeitalter der Raumfahrt.
(veröffentlicht auf: https://www.raumfahrer.net/news/raumfahrt/26092017085056.shtml am 26.09.2017)

Das ist der Beginn einer neuen Ära: Das Bewusstsein der kosmischen Existenz der Menschheit.
Überall auf der Welt haben die Menschen das von Sputnik 1 gesendete Signal, hörbar als deutlich vernehmbares Piepen, empfangen. Damit war an diesem 4. Oktober 1957 ein Jahrhunderte alter Traum der Menschheit erfüllt. Der Mensch hat zum ersten Mal in der Geschichte selbst einen Himmelskörper erschaffen. Der Körper hat die Erdanziehungskraft überwunden und den Weltraum erobert.
Und wir haben ein neues Wort zu unserem Vokabular hinzugefügt: Sputnik
(Frei nach dem Text des Songs „Sputnik“ der britischen Band Public Service Broadcasting vom Album The Race for Space.)

Und damit ist eigentlich schon alles gesagt. Vielleicht sind nur die Briten in der Lage, unverklemmt und mit ehrlicher typisch britischer Sportlichkeit Siege des vermeidlichen Gegners anzuerkennen.

Leider verwischt die Bedeutung mancher geschichtlicher Ereignisse im Laufe der Jahrzehnte. Außerdem ist die Bewertung stark von den jeweiligen aktuellen politischen Sichtweisen geprägt.
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Veröffentlicht September 26, 2017 von freundederraumfahrt in Kolumnen, Raumfahrtgeschichte, Technik und Projekte

Berlin: (Vorab-)Einblick in „Gagarins Vermächtnis“

Am 4. September 2017 findet im Foyer der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin die Eröffnung der Ausstellung „Gagarins Vermächtnis“ statt. Raumfahrer.net hatte die Möglichkeit, schon vor der Eröffnung einen Blick in die Ausstellung zu werfen.
(veröffentlicht auf: https://www.raumfahrer.net/news/raumfahrt/02092017171116.shtml am 02.09.2017)

«…ich sah, wie wunderschön unser Planet ist. Menschen, lasst uns diese Schönheit erhalten und mehren und nicht zerstören.»

Dieser Ausspruch von Juri Gagarin steht gleichzeitig symbolhaft für sein Vermächtnis. Noch sind nicht alle Bildunterschriften an den Exponaten angebracht. Noch sind nicht alle Schauvitrinen gefüllt. Aber man konnte schon einen Eindruck bekommen, was sich die Ausstellungsmacher gedacht haben.
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Rückblende: Das gelüftete Geheimnis der Wostok-Rakete

(veröffentlicht auf: https://www.raumfahrer.net/news/raumfahrt/21082017231039.shtml am 21.08.2017)

Im RAUMCON-Forum wird auch über ältere Raumfahrttechnik diskutiert. So zum Beispiel die Wostok-Trägerrakete. Wie sah diese aus? Wie funktionierte sie? Sind die Fotos echt? Und wenn ja, von welchem Flug stammen die? Ein scheinbares Chaos herrscht hier an historischen Informationen. Warum?
Diese Rückblende zeigt wie das Geheimnis der Wostok-Rakete vor 50 Jahren im Westen gelüftet wurde.

In unserer heutigen Informationsgesellschaft, wo jede mutmaßliche Info nur einen Klick entfernt ist, kann man die Geheimniskrämerei in der Hochzeit des Kalten Krieges nicht mehr rational nachvollziehen. Das betrifft speziell die sowjetische Raumfahrt. Da hier alles irgendwie mit dem sowjetischen Militär verwoben war, lag über allem der Schatten der Geheimhaltung. Anders bei den US-amerikanischen Raumfahrtprogrammen. Hier wurde man gerade zu mit Informationen zugeschüttet. Es war eben ein ganz anderer Ansatz in Sachen Öffentlichkeitsarbeit. Und während man die amerikanischen Trägerraketen in der Fachliteratur schon recht genau dargestellt sah, wusste man über die sowjetischen Raketen fast gar nichts. Es oblag den Raumfahrtjournalisten, sich aus den wenigen Informationsschnipseln ein Bild zusammen zu reimen.
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Veröffentlicht August 21, 2017 von freundederraumfahrt in Raumfahrtgeschichte, Technik und Projekte

Sigmund Jähn wird 80!

(veröffentlicht auf: https://www.raumfahrer.net/news/raumfahrt/10022017224928.shtml am 10.02.2017)

Doktor Sigmund Jähn, Fliegerkosmonaut und erster Deutscher im All, feiert am 13. Februar 2017 seinen 80sten Geburtstag.
Wir gratulieren ganz herzlich!

Viele berühmte Persönlichkeiten definieren sich in der Geschichte nur durch eine einzige große Tat.
Der preußische General Blücher wäre bestimmt heute nicht so bekannt, wenn er nicht in der Schlacht bei Waterloo am 18. Juni 1815 entscheidend eingegriffen hätte.
Charles Augustus Lindbergh war ein einfacher Pilot. Durch eine einzige Tat wurde er weltberühmt, sein Atlantikflug 1927.
Ein kleiner bis dato völlig unbekannter Oberleutnant wurde im April 1961 vom Schicksal an eine Stelle gestellt, die ihn zum Symbol des Beginns eines neuen Zeitalters machte, der bemannten Raumfahrt: Juri Gagarin.

Ist es aber gerechtfertigt, die Lebensleistung nur durch eine einzelne Tat zu definieren? Eine schwere Frage und nicht leicht zu beantworten.
Der hier genannte Jubilar hat auch so eine Tat vollbracht, mit der er, ob er will oder nicht, immer in Zusammenhang gebracht wird. Mit dieser Tat ist er im Bewusstsein vieler Landsleute verankert. Sigmund Jähn ist als erster Deutscher 1978 ins All geflogen.

Viel wurde seinerzeit darüber berichtet und bis in die heutigen Tage wieder und immer wieder. Der Start von Sojus-31. Die Arbeit auf der Orbitalstation Salut-6. Die Landung mit Sojus-29. Viele große und kleine Geschichten über und um diesen Flug wurden erzählt. Alles wurde schon hunderte male berichtet und wieder berichtet. Ausgeschmückt oder kleingeredet. Immer, wie man es gerade zu sehen glaubte. Diese eine Woche Aufenthalt im Weltraum wurde von einigen Zeitgenossen als überragender Beweis der Überlegenheit des damals herrschenden Systems gewertet. Für andere war es „nur“ eine Propagandashow. Beides stimmt nicht. Aber der Akteur kann sich nur schwer gegen eingefahrene Vorurteile wehren.
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Veröffentlicht Februar 10, 2017 von freundederraumfahrt in Kolumnen, Raumfahrtgeschichte

„Sojus 29: Zwischenhalt am Boden“ – Update

(veröffentlicht auf: https://www.raumfahrer.net/news/raumfahrt/08122016225315.shtml am 08.12.2016)

Dieses News-Update bezieht sich auf den ursprünglichen Artikel „Sojus 29: Zwischenhalt am Boden“ vom Februar 2016.

Im Februar diesen Jahres wurde die Landekapsel des ersten deutschen Raumfahrers seit fast fünf Jahren zum ersten mal wieder auf den Boden des Militärhistorischen Museums in Dresden geholt. Besucher freute es. Für diese Zeit war die Präsentation einzigartig.

Der Betrachter konnte ohne behindernde Glasschutzummantelung, wie etwa in Paris oder in Speyer, das Objekt direkt aus der Nähe betrachten. Nur so konnten dann überhaupt spezielle, interessante Fragen, wie zum Beispiel nach den Schraubenbolzen und den verrußten Gewindebohrungen an der Frontseite, aufkommen.
(Diskussion hier im Forum zu den Sprengbolzen zwischen Landeapparat und Orbitalsektion).

Am 24. Februar 2016 sollte ursprünglich die „29“ wieder an ihren, durch das aktuelle Ausstellungskonzept bestimmten, Platz unter die Decke im sogenannten Libeskind-Keil gehängt werden. Doch der Aufstieg verzögerte sich auf wundersame Weise um neun Monate.
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Veröffentlicht Dezember 8, 2016 von freundederraumfahrt in Kolumnen, Raumfahrtgeschichte