„Der unbekannte Gagarin“ – Die letzten Geheimnisse von Juri Gagarin

(von Andreas Weise, veröffentlicht in RaumfahrtConcret 87 2/2015, Seite 16)

Kurz nachdem Gerhard Kowalski, Journalist und Gagarin-Experte sein zweites Buch über den ersten Menschen im Weltraum im April 2011 veröffentlicht hatte, wurde es von der Aktualität eingeholt. Kurz nach dem 50sten Flugjubiläum Gagarins wurde in Moskau die Veröffentlichung von 200 neuen Geheimdokumenten zum Flug Gagarins bekannt gegeben.
Kowalski ist dieser Ankündigung natürlich sofort nachgegangen.
Jetzt liegt sein Ergebnis vor: Das dritte, und wie der Autor im Untertitel meint, finale Buch zum ersten Kosmonauten der Welt.

Wenn man sich im Vorfeld mit Gagarin beschäftigt hat, findet man eine Menge Neues.: So wird sehr detailliert auf Gagarins Kindheit in der Zeit der deutschen Besatzung in Russland und sein familiäres Umfeld eingegangen. Ein Thema, was bislang eher nebulös, ja fast tabuisiert, behandelt wurde. Folgt man diesen Erkenntnissen, so grenzt es an ein Wunder, das Gagarin überhaupt in die engere Auswahl als Kosmonautenanwärter gekommen ist. Mit dieser „Lückenschließung“ im Lebenslauf kann jetzt mit Fug und Recht von einer Gagarin-Biographie gesprochen werden. Auch gibt es weitere Erkenntnisse zum Tod von Gagarin. Inzwischen ist ein weiterer, der Öffentlichkeit bislang nicht bekannter KGB-Untersuchungsbericht aufgetaucht. Eine abschließende Aufklärung der Vorgänge scheitert allerdings bis heute am Widerstand führender Kreise. Diese reichen hinauf bis zum russischen Präsidialamt. Aber auch zu Gagarins Weltraumflug selber sind einige neue Details ans Licht gekommen. Gagarins Flugbericht ist jetzt zugänglich und weitere Details zu seiner Landung wurden bekannt. Das Gagarin das angepeilte Landeziel um ca. 300 Kilometer verfehlt hatte, wusste man schon. Das er aber ausgerechnet auf dem Standort einer Raketen-Division gelandet ist, das war neu.

Mit seinen 327 Seiten ist Kowalskis neues Buch fast genauso umfangreich, wie das Vorgängerbuch. Da stellt sich natürlich die Frage: Was ist im neuen Buch vom alten weggelassen worden und durch das Neue ersetzt? Mein persönlicher Eindruck ist, das einige geschichtserklärende Punkte der Straffung des Buches zum Opfer gefallen sind. Schade! Ich hätte da eine von der Seitenzahl höhere Ausgabe vorgezogen.

Zusammengefasst: Kowaski ist seinem Ruf, der Gagarin-Experte im deutschsprachigem Raum zu sein, erneut gerecht geworden. Durch sehr gute und gründliche Recherchearbeit und viele persönliche Kontakte zu Zeitzeugen ist wieder einmal der Versuch unternommen worden, die Geschichte des ersten Kosmonauten und seinem Weltraumflug Detailgenau und wahrheitsgemäß in allen Fassetten zu berichten. Mit dem Wissensstand von heute, März 2015, kann man getrost sagen: Kowalski ist das gelungen.
Fazit: Das Buch ist für jeden Raumfahrtbegeisterten in Ost und West sehr empfehlenswert!

DER UNBEKANNTE GAGARIN
Gerhard Kowalski
Erschienen im Machtwortverlag 2015
ISBN: 978-3-86761-137-4

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Veröffentlicht April 30, 2015 von freundederraumfahrt in Bücher, Kolumnen, Raumfahrtgeschichte