Science Fiction in Deutschland – Eine Ausstellungsempfehlung

(von Andreas Weise für RaumfahrtConcret; nicht gedruckt, veröffentlicht unter http://www.freunde-der-raumfahrt.de)

Die sächsische Metropole Leipzig war schon immer eine Reise wert. Freunde des utopischen Films (Sprachgebrauch OST) und der Science-Fiction-Filme (Sprachgebrauch WEST) haben jetzt aber noch einen weiteren Grund. In den Räumen des Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig findet vom 14. Juni 2013 bis zum 12. Januar 2014 die Ausstellung „Science Fiction in Deutschland“ statt. Zuvor war die Ausstellung in Bonn zu besichtigen.

RC hatte die Möglichkeit, vor Ausstellungseröffnung, einen Blick hinein zu werfen.

Von Fritz Lang’s „Metropolis“ bis zu „(T)Raumschiff Suprise“ reicht der Bogen. Der Besucher wird in die vergangenen Welten der Zukunftsdarstellung der 60-70er Jahre bis zur Gegenwart geschickt und stellt fest, dass es zwischen Ost und West Unterschiede, aber auch viele Gemeinsamkeiten gab. Ob es der DEFA-Klassiker „Der schweigende Stern“ (1959) war, der in den Versionen „DEFA (Ost)“, „Constantin-Film (West)“ und „USA/GB“ mit völlig anderer inhaltlicher Synchronisation lief, oder die Serie „Raumpatrouille Orion“ mit internationaler Besatzung und sinniger Weise mit einem (schönen) weiblichen Sicherheitsoffizier, ausgerechnet aus Rußland. Und das 1965!

Auch wird der DEFA-Film „Signale – Ein Weltraumabenteuer“ von 1970 unter die Lupe genommen. Die Parallelen zu dem erst zwei Jahre zuvor erschienen Meisterwerk von Stanley Kubrick „2001“ sind unübersehbar. Genial präsentiert laufen auf zwei Monitoren Filmszenen aus beiden Streifen parallel. Der Betrachter ist verblüfft. Nicht mehr so bekannt: Roland Emmerich’s Debüt-Film „Das Arche Noah Rinzip“ (1984). Der Film lief in beiden deutschen Staaten und ist von der Aussage heute noch aktuell. Andernorts wird daran erinnert, daß der erste Star-Trek-Kinofilm mit großem Erfolg auch in der DDR lief. Die Fangemeinde entwickelte sich in Ost und West parallel. Waren in den 60’er Jahren Themen von der atomaren Kriegsangst geprägt, so bestimmten ab der 80’er Jahren apokalyptische Umweltthemen im Westen das Genre. Im Osten schien man filmisch keine Ideen mehr zu haben. Man lebte ja sowieso in der „fortschrittlichsten, zukunftsweisenden Gesellschaft“ und unlösbare (Umwelt-)Probleme gab es nicht. Beziehungsweise durfte es nicht geben.

Ob mit der deutschen Einheit der Biss aus dem nunmehr gesamtdeutschen Science-Fiction-Film heraus ist? Zur Zeit wird diese eher durch US-Produktionen dominiert.

Wo könnte man diese spannende Parallelentwicklung besser zeigen als in der „Stiftung Haus der Geschichte“ in Leipzig.

Die Ausstellung ist für Science-Fiction-Freunde, Zeitgeschichtler, aber auch für Raumfahrtfans ein Leckerbissen. Wer sich für technische Details interessiert, kann zum Beispiel an Hand des orginalen Filmmodell des Landers aus dem Streifen „Eolomea“ von 1972 überlegen, welche Gemeinsamkeiten es zum Apollo-Mondlander oder zur sowjetischen Studie eines Mondlanders LEK Anfang der 70’er Jahre gibt. Erinnerungen werden wach an das berühmte Bügeleisen auf der Steuerkonsole in der „Orion“, die Brockenhexe im Lander von „Eolomea“ und die Baumarkt-Leiter in der Raumstation von „Das Arche Noah Prinzip“.

Wer sich für die geschichtlichen und politischen Hintergründe interessiert, wird auch nicht enttäuscht. Dazu gibt es viel interessantes zu erfahren.

Für manche Besucher ist diese Ausstellung vor allem aber eine Reise zurück in ihre Jugend, zu den Helden von damals und den phantastischen Bildern eines Genres, das immer seiner Zeit voraus eilen muß. Es ist ja Science-Fiction – oder eben utopisch.

Die Ausstellung befindet sich im Zentrum Leipzigs im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig, Grimmaische Straße 6 gleich neben Auerbachs Keller.
Öffnungszeiten:
Dienstag – Freitag 9-18 Uhr
Samstag – Sonntag 10-18 Uhr

Veröffentlicht Juni 12, 2013 von freundederraumfahrt in Kinoseite, Kolumnen

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