Gedanken an Walja

Gedanken an Walja
Zum 50. Jahrestag des Raumfluges von Walentina Wladimirowna Tereschkowa

(von Andreas Weise; veröffentlicht in Raumfahrt Concret Heft 77/2/2013 Seite 5 in leicht geänderter Form)
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Liebe Walja,

vor nunmehr 50 Jahren flogst Du als erste Frau in den Weltraum. Du hattest immer davon geträumt, einmal ins All zu fliegen. Du bewundertest Gagarin. Du hattest es in Deinem bisherigen Leben nicht leicht. Trotzdem hast Du Dich für die Konsmonautenschule beworben und endlich wurdest Du 1962 aufgenommen.
Nein, Du warst nicht die Idealbesetzung für den Flug. Andere Mitbewerberinnen waren Piloten und Ingenieure. Du warst bloss eine einfache Textilarbeiterin, die an der Abendschule sich weiter gebildet hatte. Das aber gefiel den oberen Herrschern. Die wollten Dich für ihre Propaganda. Wissenschaftliche Erkenntnisse waren ihnen egal. Du solltest in den Weltraum fliegen und als strahlende Heldin zurück kommen.
Du flogst in den Weltraum. Am 19.Juni 1963. Aber kehrtest Du als strahlende Helden zurück?

Du bekamst während des Fluges die Raumkrankheit. Dir war fürchterlich schlecht. Ein Phänomen, was selbst heute noch nicht völlig erforscht ist. Brühmte Raumfahrer erlitten auch diese Krankheit. Frank Borman von Apollo-8 und auch unseren Hans Schlegel auf der ISS erwischte es. Aber Dir war es verboten, krank zu sein. Du hattest ja die makellose kosmische Heldin für die Propaganda darzustellen. Und so tatest Du das, wovon Du der Meinung warst, es sei zwingend notwendig. Du verschwiegst Dein wirkliches Befinden und hast nichts gegessen. Drei lange Tage lang. Dabei warst Du länger als ein amerikanischer Astronaut zuvor, im Weltraum. In diesem Zusatnd ist Dir dann so mancher Fehler unterlaufen.
Aber Du hast eisern geschwiegen. Wußtest Du , dass nicht nur Dein Schicksal, sondern das des gesamten sowjetischen Frauen-Raumfahrtprogrammes davon abhingen?
Nach der Landung sieht man Dich auf den ersten Filmaufnahmen völlig erschöpft und fertig. War das ein Wunder nach diesem Flug? Die Filmaufnahmen sind erst einmal von der Zensur kassiert worden und erst später wieder aufgetaucht. Du wurdest als strahlende makellose Helden präsentiert. Ob Du wolltest oder nicht. Viele Jahre lang.

Erst nach sovielen Jahren des Schweigens und der Verschleierung kommen ganz langsam die Einzelheiten Deines Fluges ans Licht.
Heute beschäftigen sich ernsthafte Historiker und Journalisten damit, herauszufinden, was damals wirklich passiert ist und warum. Sie werden das im Kontext mit allen damaligen aktuellen Gegebenheiten sachlich analysieren.
Leider wird es auch Einige geben, die nur nach dem Skandal, dem Fehlverhalten und dem schief gegangenen hinterher jagen. Das ist nunmal bei uns in unserer schnelllebigen, gnadenlosen Medienlandschaft so. Nur „bad news are good news“.

Liebe Walja! Ärgere dich nicht darüber! Eins wird Dir keiner nehmen können: Du warst die Erste. Die erste Frau weltweit, die in den Kosmos geflogen ist.

Und dafür Dir alles Gute!

Veröffentlicht Juni 10, 2013 von freundederraumfahrt in Raumfahrtgeschichte

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