Neubrandenburg – 28. Raumfahrttage vom 9. bis 11.November 2012

(von Andreas Weise) veröffentlicht unter freunde-der-raumfahrt.de – 2012

„Die Raumfahrttage in Neubrandenburg waren wieder einmal Klasse. Der Fahrt nach Peenemünde am Freitag folgte der Abendempfang im Haus am See. Am Samstag gab es dann interessante Vorträge und Autogrammstunden. Am Abend dann ein gemeinsames Abendessen mit vielen Gelegenheiten zu Gesprächen. Samstag dann im Radisson wieder Vorträge bis Mittag.
Eine gelungene Veranstaltung. Bis zum nächsten Jahr…. .“
und so weiter und so fort… .

So in etwa könnte man eine Kurzbericht über die 28. Raumfahrttage in Neubrandenburg schreiben. Es würde alles stimmen. Der Text hätte aber auch für die letzten oder vorletzten Raumfahrttage gelten können. War es wirklich Alles so gleichförmig monoton ? Natürlich nicht! Wer nur wenige Wochen zuvor auf der ILA sich mit den Organisatoren unterhalten hatte, konnte ahnen, was es auch dieses Jahr wieder für ein Kraftakt gewesen war, hier ein ordentliches Programm auf die Beine zu stellen. Ich möchte einmal versuchen, einige wenige Eindrücke zu einzelnen Aktionen dieser Raumfahrttage heraus zu heben, ohne auf Vollständigkeit zu achten.

Meine Anreise erfolgte bereits Donnerstag Abend im strömendne Regen. Gegen 23 Uhr war ich im Hotel. In der Hotelbar, eine halbe Stunde später, stürzte dann Eberhard Rödel an mir vorbei. O.K.! Ich war irgendwie richtig hier.

Der nächste Morgen war stark verregnet. Es ging nach Peenemünde zum Besuch von Museum und Prüfstand VII. Kurz gesagt: Der Prüfstand VII ist noch da, wo er schon immer gewesen ist, und ohne sachkundige Führung würde man niemals auch nur erahnen können, was und wo die Anlagen waren. Für mich sehr überraschend war aber die Führung durch das Museum im alten Kraftwerk zuvor. Ein sehr ausgewogener Vortrag der den Spagat zwischen der „Technischen Errungenschaft“ und dem „Preis durch die Vernichtung von tausenden Menschenleben“ versuchte . In Insiderkreisen ist ja der Streit um die inhaltliche Ausrichtung der Museumslandschaft Peenemünde ein offenes Geheimnis. Ein Thema, was bestimmt einmal eine intensivere Betrachtung und einen längeren Artikel wert wäre.

Am späten Nachmittag dann zurück in Neubrandenburg. In der Galeria Kaufhof, einem Sponsor der Veranstaltung in der obersten Etage lud man zur Autogrammstunde ein. Kosmonaut Alexander Michailowitsch Samokutjajew erfüllte tapfer jeden Autogramm Wunsch der angereisten Fans. Zugegeben, die Szenerie sah irgendwie etwas komisch aus inmitten von Haushaltswaren, Handtüchern und Kinderbekleidung. Die Fans störte das aber nicht.
Am Abend dann der „Kosmonautenempfang“ im „Haus am See“. Gelegenheit, Freunde und Bekannte wieder zu sehen.

Die eigentliche Hauptveranstaltung begann am Samstag Morgen in der Aula des Einstein-Gymnasium. Das absolute Novum: Diese Veranstaltung wurde live ins Internet übertragen. Dazu waren Thomas Wehr und Klaus Donath von spacelivecast.de extra mit ihrer ganzen Ausrüstung angereist. Einige Vorträge sind mitgeschnitten und bei YouTube zu sehen. Siehe die Links am Ende.

Und was gab es zu hören, bzw. zu erleben? Prof. B. Herrmann war wieder ein Hingucker. Allerdings hatte er diesmal bei seinem Vortrag zum „Urknall“ etwas Mühe, die Kurve zur Raumfahrt zu bekommen. Ebenso toll war der Vortrag von Zukunftsforscher Dr. Steinmüller. Ein Vortrag wich aber total von der Linie ab. Dr. rer. nat. Marcel Dickow von der Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin sprach zum Thema „Deutsche und Europäische Raumfahrtpolitik: mit Sicherheit neue Herausforderungen“. Aus der Vorankündigung zu diesem Referenten war nichts weiter zu erfahren. Er erklärte ganz unverhohlen, er habe bestimmt weniger Ahnung von Raumfahrt als die Anwesenden im Saal, berate in Raumfahrtfragen den Bundestag und die Bundesregierung. Er führte weiter aus, dass sich unter den aktuellen Gesichtspunkten Raumfahrt in erster Linie unter sicherheitspolitischen Aspekten definiert. Im Klartext: Nur Rüstungsprojekte sind sinnvoll und rechtfertigen den Aufwand! Nebenbei ließ er dann noch durchblicken, dass er eine militärische Nutzung des Galileo-Navigationssystemes für wünschenswert halte, und das er bei der Problematik ATV nicht im Stoff stand. Da fiel mir doch gleich die Aussagen von Ulf Mehrbold ein, der auf der ILA öffentlich den politischen Willen zur Raumfahrtförderung bezweifelt hatte. Bei solchen Beratern wäre das geradezu zwingend logisch. Herr Dr. Dickow verschwand dann auch fluchtartig mitten aus der Veranstaltung. Das geschockte Publikum hätte sich bestimmt bis zur Referenten-Fragerunde von seinen Aussagen erholt und ihm dann vielleicht einige unangenehme Fragen gestellt. Egal! Er war weg!

Die spätere Referenten-Fragerunde kreiste unter anderem um das Thema „One-Way-Mission to Mars“. Dabei schloss Dipl.-Geol. Ulrich Köhler vom Institut für Planetenforschung des DLR in Berlin, mehrfach, schon fast genervt aus, dass er jemals für so eine Mission zur Verfügung stünde. Nun, etwas Spaß muss auch sein. Auch in solchen ernsten Angelegenheiten.

Am Abend gab es dann Leckeres zu essen und wieder viele interessante Gespräche bis nach Mitternacht.
Sonntag: Der Tagungsort ist jetzt das Radison. Ulrich Köhler erzählt die neusten Story’s vom Mars. Wie immer spannend und unterhaltsam. Nach dem „Jugendvortrag“ von zwei Studenten der Universität Braunschweig (Hier hätte ich jetzt einen gesonderten Beitrag dazu schreiben müssen.) stand als letzter Redner Thomas Wehr von spacelivecast.de am Rednerpult. Es ging bei ihm auch um die Frage: Wie erreichen wir Raumfahrtfans aller Altersstrukturen über die modernen Medien? Eine Problematik, die unbedingt vorangetrieben werden muss. Sieht man sich den Altersdurchschnitt auf so mancher Raumfahrtveranstaltung an, so sind das manchmal schon Rentnerveranstaltungen – und das kann ja nicht die Zukunft sein. – Das war das Schlusswort!

Tja… und nächstes Jahr gerne wieder!

Veröffentlicht November 22, 2012 von freundederraumfahrt in Reise- und Ereignisberichte

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