Jahreshauptversammlung des Förderveieins „Deutsche Raumfahrtausstellung“ 2012

Kurz berichtet aus den Vogtländischen Wäldern….
… von der Jahreshauptversammlung des Förderveieins „Deutsche Raumfahrtausstellung“ am 20.Oktober 2012

von Andreas Weise
(geschreiben für Raumfahrt-Concret – dort aber nicht veröffentlicht
in veränderter Form veröffentlicht in freunde-der-raumfahrt, 2012)

In Morgenröthe-Rautenkranz war es es ein schöner, warmer Herbstabend. Vor einigen Jahren lag Mitte Oktober schon Schnee. Die vielen Raumfahrtenthusiasten aus Nah und Fern waren aber an diesem Samstag-Abend nicht wegen dem schönen Wetter angereist. Und das zu einer Uhrzeit, wo normalerweise die Ausstellung ihre Türen schließt.  An diesem Abend fand in der Deutschen Raumfahrtausstellung die Jahreshauptversammlung des gleichnamigen Fördervereins statt. In Vereinssitzungen geht es meistens nüchtern zu, wenn um Zahlen, Ziele und Berichte gestritten wird. Um den Vereinsmitgliedern und zahlreichen Raumfahrtfreunden die Anreise ein wenig zu versüßen ist es in Morgenröthe-Rautenkranz Tradition geworden, dass es vor der eigentlichen Sitzung ein Vorprogramm mit „mindestens einem echten Kosmonauten“ gibt. Offen auch für Nicht-Vereinsmitglieder. Nun ist diese Vorgabe nicht schwer zu erfüllen, ist doch Dr. Sigmund Jähn immer mit von der Partie. Aber die Veranstalter machen es sich nicht so einfach und lassen sich bei der Auswahl der Gäste immer etwas Neues einfallen.
Dieses Jahr konnte Alexander Pawlowitsch Alexandrow und Oliver Knickel verpflichtet werden.

Alexandrow, Raumfahrer auf Sojus-T9/Saljut-7 und Sojus-TM3/MIR, hat 309 Tage im Weltraum zugebracht. Danach war er bis 2006 Leiter der Flugtestabteilung beim Raumfahrtkonzern RKK ENERGIA, Hersteller unter anderem der Sojus-Raumschiffe. Heute ist er Berater des Präsidenten von ENERGIA.
Lässt man sich das in Ruhe auf der Zuge zergehen, erkennt man, dass hier ein Top-Insider anwesend war. Und dieser ließ auch „einiges gucken“. Zunächst einmal einen Video-Vortrag über seinen Aufenthalt auf der MIR. Viel spannender war dann aber anschließend die Publikumsfragerunde. Wohl dessen geschuldet, weil die wenigen Fragen genau die interessanten und aktuellen Probleme betrafen. Und Alexandrow antwortete ohne auszuweichen, wenngleich bestimmt nur im Rahmen seiner Möglichkeiten. Er erklärte fast nebenbei, dass es in Russland noch keine Linie gebe, wohin die langfristige Entwicklung der Raumfahrt gehe. Aber: Die Amerikaner wüßten es zur Zeit auch nicht, fügte er augenzwinkernd hinzu.
Rußland plane auch keine eigenständige Raumstation nach dem Ende der ISS. Der sich weiter verzögernde Starttermin des russischen MLM-Modules für die ISS ist einzig allein „Abstimmungsschwierigkeiten“ zwischen den Raumfahrtbetrieben ENERGIA und Krunitschew geschuldet. Angesprochen, ob nach seiner Meinung der ambitionierte Zeitplan zum Bau des neuen Kosmodrom Wostotschny in Rußland eingehalten werden könne, antwortete er: „Das ist eine sehr, sehr schwere Frage….. .“ Dabei lächelte er von einem Ohrläppchen zum anderen, was eine weitere Erörterung der Frage erübrigte. Und zu einem anderen Thema: Ein bemannter Marsflug scheitere zur Zeit an der Finanzierung. Man sei aber von der Vorstellung abgerückt, der bemannte Marsflug könne nur zusammen mit allen Raumfahrtnationen gemeinsam gestemmt werden. Daraus schlussfolgernd wären nationale oder bilaterale Alleingänge durchaus möglich. Das habe man vor einigen Jahren noch ganz anders gesehen.

Als zweiter Gastreferent stand dann Oliver Kinckel am Rednerpult. Knickel, bereits Gast zu den Neubrandenburger Raumfahrttagen 2010, hatte an einem 105-Tageexperiment als Vorstudie zur MARS-500-Simulation teilgenommen. Er berichtete unter anderem über Probleme bei einer einseitigen Speiseplangestaltung bei einer international und kulturell gemischten Langzeitbesatzung. Ein nicht zu unterschätzendes Stimmungs-Problem, was bestimmt jeder Seemann kennt, wenn der Smutje nicht abwechslungsreich kocht. Hier bezogen auf die Langzeitraumfahrt. Interessant auch der Gedankengang, dass als nächster Schritt nach MARS-500 ein gleichartiges Isolationsexperiment im Erdorbit unter Schwerelosigkeitsbedingungen stattfinden sollte. Der Marsflug rückt näher …. möge man hoffen.

Nach der obligatorischen Autogramm-Pause ging es dann vereinsintern weiter. Die Vereinsmitglieder bleiben, alle andern strömten nach Hause.
Und das mit der Vorfreude auf die Raumfahrttage 2013 in der Deutschen Raumfahrtausstellung in Morgenröthe-Rautenkranz… in den Vogtländischen Wäldern… .

Veröffentlicht November 17, 2012 von freundederraumfahrt in Reise- und Ereignisberichte

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