Hermann-Oberth-Museum in Feucht bei Nürnberg

Museen mit Themen der Raumfahrt (Teil 1)

von Andreas Weise, Juni 2012, (für RC – nicht gedruckt)

Wenn man nacheinander die Raumfahrtmuseen, oder Orte mit raumfahrttechnischen Bezügen vorstellen will, dann sollte man in Deutschland mit dem Hermann-Oberth-Museum in Feucht anfangen. Nicht nur, weil der Ort sehr zentral im Herzen von Deutschland an der A9 Berlin-München gelegen ist. Nein, auch chronologisch sollte die Reise zur Geschichte der Raumfahrt hier beginnen… .

Anfang Juni 2012: Der Ort Feucht machte seinem Namen alle Ehre. Es nieselte und die Luft ist irgendwie ungemütlich naß. Allerdings bezieht sich der Name des kleinen Ortes südöstlich von Nürnberg nicht auf die klimatische Gegebenheiten.
In diesem kleinen, schön herausgeputzten Städtchen liegt defacto der museale Beginn der Raumfahrtgeschichte in Deutschland. In Feucht lebte und arbeitete bis zu seinem Tot Herrmann Oberth, von vielen heute als Vater der Raumfahrt verehrt. In seinem Haus befindet sich heute das Herrmann-Oberth-Museum.

Das erste Topexponat des Museums, was einem bei einem Besuch begegnet, könnte man glatt übersehen. Direkt an der Seitenwand des Eingangs hängt ein unscheinbarer Bilderrahmen mit einem Brief… Da hat ein 11 Jähriger Schüler im Jahre 1969 einen begeisternden Brief an sein großes Raumfahrtvorbild Neil Armstrong geschrieben. Der Schüler hieß übrigens Thomas Reiter (!). Jahre später, genau genommen 1995, hat dann Armstrong dem seben Briefeschreiber und nun angehenden Kosmonauten Reiter alles gute zu seinem Raumflug gewünscht. Ein tolles Beispiel, wie man seine Träume verwirklicht.

Das Museum selber ist zweigeteilt: Zum einen ist da der Bereich, der sich mit dem Leben und Wirken von Oberth beschäftigt. Seine Schriften und Bücher, aber auch Diplome und internationale Anerkennungen sind hier zu sehen.
Ich bin verabredet mit Herrn Zuber, zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.
Er erklärt: Oberth wird nicht nur in Deutschland als „Vater der Raumfahrt“ und „Raumfahrtprofessor“ verehrt. Sehr gute Bezieheungen bestehen unter anderm auch zum Zilokowski-Museum in Kaluga. Zuber versucht mir die historische Bedeutung von Oberth näher zu bringen. Der Russe Konstantin Zilokowski als genialer Visionär im abgeschiedenen Kaluga war seiner Zeit weit voraus und wurde von der Fachwelt aber erst sehr spät entdeckt. Der Amerikaner Robert Goddard hatte es auch nicht leicht, mit seinen damals verrück anmutenden Ideen von Raketen Unterstützer zu gewinnen.
Aber Oberth kam mit seinem Buch „Die Rakete zu den Planetenräumen“ im Jahre 1922 genau zu einem Zeitpunk heraus, wo eine breite Öffentlichkeit diesem Thema aufgeschlossen entgegen stand. Der Erste Weltkrieg war vorbei, die Weltwirtschaftskriese noch fern und in den Goldenen 20er Jahren waren die Menschen hungrig nach neuen Ideen, die die Welt bewegten. Fritz Lang drehte seinen berühmten Weltraumfilm „Frau im Mond“ und Oberth war als Berater dabei. Sieht man sich die Bilder des Films heute an, staunt man, wir nah man mit dieser Filmvision an die Wirklichkeit vierzig Jahre später kam. Es gab eine richtige Rakenteneuforie in den 20ern und Oberth lieferte die wissenschaftlichen Hintergründe. All das wird hier im Museum einfühlsamm dem Besucher nahe gebracht. Daneben finden sich viele Zeugnisse aus aller Welt, die die Leistung Oberths als Wegbereiter für die Raumfahrt würdigen.

Aber das Museum hat auch einen anderen Teil, oder besser gesagt, eine andere Abteilung. Hier findet sich alles das, was ein raumfahrtinteressiertes Herz höher schlagen läßt: Raumanzüge (Originale und Nachbildungen), Ein großes Funktionsmodell des Mercury-Raumschiffes und Unmengen von kleinen Modellen. Darunter auch Seltenheiten, wie zum Beispiel ein Schnittmodell einer Apollo-Kapsel, was ursprünglich Anfang der 60er Jahre zu Promoschen-Zwecken in geringer Stückzahl gefertigt wurde. Eine Unterschriftenwand verrät, welche berühmten Personen aus der Geschichte der Raumfahrt hier schon zu Gast waren. Ich lese unter anderem die Namen von Boris Rauschenbach und Sigmund Jähn. Aber das sind nur zwei Namen von vielen, die hier stehen.
Im Dachobergeschoß findet sich ein kleiner Kino-Bereich mit einem Sitzrondell. Hier können historischen Dokumentarfilmen gelauscht werden. Übrigens hatte ich den Eindruck, dass gerade mit Kindern hier viel gearbeitet wird. Einfühlsamm wird versucht, in kindgerechten Vorträgen die Faszination und Begeisterung „Raumfahrt“ zu vermitteln. Schulklassen sind hier willkommen.
In einem verglasten Anbau kann man desweiteren Triebwerksteile von A4 und EUROPA-Rakete bestaunen. Für Fachleute bestimmt ein Hingucker.

Die Vielzahl der Exponate bringt aber auch die Achillesferse der Ausstellung zum Vorschein. Das Museum leidet unter akutem Platzmangel. Viele der kleinen bemerkenswerten Ausstellungsstücke sind in den Vitrinen dicht an dicht gedrängt um gehen so in der Beachtung des Besuchers manchmal unter. Das Museum platzt aus allen Nähten. Und im Depot lagern noch einige Schätze, die aus Platzgründen einfach nicht gezeigt werden können.
An der Beseitigung dieser Probleme wird aber bereits intensiv gearbeitet, verrät Herr Zuber. Wir dürfen gespannt sein.
Bei einem Besuch des Museums sind die Öffungszeiten zu beachten. Im Moment nur am Wochenende und da auch nur am Nachmittag. Oder man meldet sich zu vorher rechtzeitig an. Dann steht auch zum Beispiel einem Besuch von Schulklassen in der Woche nichts im Wege.
Auf alle Fälle ist ein Besuch empfehlenswert.

Veröffentlicht Juni 15, 2012 von freundederraumfahrt in Reise- und Ereignisberichte

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