Auto fahren in Irland – Zehn ernst gemeinte Tipps

von Andreas Weise, 2012, (Belegarbeit für Kurs „Journalismus II“ VHS Berlin)

Irland ist ein wunderschönes Land. Ein besonderes Erlebnis ist es, von Dublin aus mit einem Mietwagen eine Rundreise zu unternehmen.
Viele Reiseveranstalter und Automobilklubs geben wertvolle Hinweise, damit die Autofahrt zum Erlebnis wird.
Hier nun einige spezielle Tipps, wie sie aus meiner eigenen persönlichen Erfahrung entsprungen sind:

1.) Übernahme des Mietwagens am Flughafen Dublin. Der Wagen sieht irgendwie komisch aus.

Mitwagen in Irland sind meistens nicht mit solchen wie in Deutschland vergleichbar.
Wenn das Auto mit Kratzern und Schrammen übersäht ist, ist das normal. Auch eine abgerissene Heckspoilerleiste ist kein Grund, nervös zu werden. Wenn Sie so etwas reklamieren, erhalten sie nur eine ungläubige Rückfrage „Damage? Wieso? Auto fährt doch!“ Wo der Spass allerdings aufhört, sind die Reifen. Diese sollten schon ein Mindestprofil aufweisen. Beim fahren über Felsen bei irischen Regenwetter werden Sie sich später darüber freuen, nicht ganz so schnell zu rutschen und zu schleudern.

2.) Das Steuer ist auf der „falschen“ Seite. Was nun?

In Irland herrscht Linksverkehr. Das erfordert auch für einen erfahrenen Autofahrer völlig neu das Fahren lernen. Wenn man sich die Sache etwas vereinfachen will, mietet man einen Wagen mit Automatik. Damit entfällt das Gangschalten mit der linken Hand. Wer nun die Herausforderung angenommen hat, per Hand zu schalten, der sollte mindestens zehn Minuten auf dem Parkplatz ohne laufenden Motor ein „Trockentraining“ mit Kopplung und Schalthebel im Selbststudium durchführen um die Abläufe zu verinnerlichen.

3.) Es geht los. Und schon kommt das erste größere Problem. Ein Kreisverkehr!

Die meisten Kreuzungen in Irland sind als Kreisverkehr gestaltet. Entweder ist es ein richtig großer Kreis oder manchmal nur ein Pfeiler oder gar ein roter Punkt auf der Mitte einer Kreuzung um den herum gefahren werden muss. Manchmal sind auch kurz hintereinander zwei oder drei Kreisverkehre. Es ist äußerste Aufmerksamkeit geboten! Unbedingt nach links einbiegen. Niemals gerade aus durchfahren! Und immer blinken damit die anderen Verkehrsteilnehmer ihre nächsten Fahrmanöver abschätzen können. Wer mit der Gangschaltung auf der linken Seite Probleme hat, sollte im zweiten Gang in, durch und aus dem Kreisverkehr fahren. Der Motor brüllt zwar zu allgemeinen Belustigung auf, aber man kann ihn nicht so schnell abwürgen. Die Konzentration auf das Verkehrsgeschehen ist in diesem Moment wichtiger, als das Suchen nach dem richtigen Gang.

4.) Navigationsgerät oder aktuelle Straßenkarte?

Hier lautet die eindeutige Antwort: Beides! Das Navigationssystem gibt die grobe Richtung vor und die Details kann der Beifahrer auf der Straßenkarte mitverfolgen. Der Fahrer kann sich so voll auf den Verkehr konzentrieren. In Dublin selber muss man sowieso improvisieren. Der Einbahnstraßenjungel sorgt für so manche Zickzack-Fahrt, obwohl man sein Ziel schon sieht.
Auf dem Land ist das Navigationssystem teilweise nur zur Bestimmung der Fahrtrichtung geeignet. Manche, im Navi dargestellte Kreuzung von zwei Hauptstraßen mitten in der Landschaft entpuppt sich als größere Ortschaft mit einem zentralen Platz, in den die Straßen einmünden. Im Küstenbereich kann es vorkommen, das teilweise keine Straßen angezeigt werden. Da ist es schon von Nutzem, bei Regenwetter und Nebel die Himmelsrichtung einigermaßen zu halten bis zum nächsten Straßenhinweisschild.

5.) Parken in Dublin

Ab ins nächste Hotel-Parkhaus und die Stadt zu Fuß erkunden. Hier sollte nicht auf den Euro geschaut werden. Man erspart sich viel Stress.

6.) Es geht aus der Stadt über die große Landstraße.

Große Landstraßen haben meist eine Richtungsfahrspur und einen genauso breiten Standstreifen. Das hat für Überholvorgänge enorme Bedeutung. Erkennt ein Fahrzeug, das jemand Ihn überholen will, so schert es nach links auf den Standstreifen aus und lässt den Überhohler vorbei. Überholen über die Gegenfahrbahn ist eher die Ausnahme.
Es kann auch passieren, das Sie mit der vorgegebenen Geschwindigkeit unterwegs sind und hinter Ihnen ein Autofahrer so dicht auffährt, dass Sie das Weiß seiner Augen im Rückspiegel sehen. Gibt dieser dann noch Lichthupe, so ist das alles kein Grund zur Besorgnis. Hier ist jemand, der Sie gerne überholen möchte. Und um sicher zu gehen, dass Sie ihn auch bemerkt haben, macht er so auf sich aufmerksam ohne bösartig zu sein. Das hat nichts mit drängeln oder nötigen zu tun, sondern ist ein einheimischer Akt der Verständigung. Blinken Sie nach links, fahren auf dem Standstreifen weiter und lassen Sie ihn vorbei. Danach gehen Sie wieder auf Kurs.
Zu beachten ist aber: Manchmal sind auf dem Standstreifen mitten im Gelände fern von jeder Ansiedlung Autos geparkt. Aufmerksamkeit ist also geboten.

7.) Enge Straßen und Wege

Die meisten Straßen und Wege sind aber so schmal, dass kaum ein Auto durch passt. Meist sind diese dann noch mit einer mannshohen Hecke rechts und links begrenzt. Achtung! Hinter diesen Hecken sind fast immer scharfkantige Steinmauern, die jedem Automobil schweren Schaden zufügen können. Auf solchen Straßen gilt das Recht des Stärkeren. Begegnen sich zwei Fahrzeuge und keiner kann ausweichen, hat der Schwächere zurückzusetzen. So mancher PKW wurde so schon vom Traktor oder Schulbus zurückgetrieben. Fährt man dagegen hinter einem Traktor oder LKW hinterher, so ist eine freie Fahrt fast garantiert. Wenn einem auf einer etwas breiteren Straße ein Fahrzeug mit der Aufschrift „long vehicle follow“ entgegen kommt, sollte man das sehr ernst nehmen und sofort die nächste Ausweichlücke suchen und abwarten. Da kann schon mal auf einem Tieflader ein Fischkutter oder gar ein ganzes Haus einem entgegen kommen.

8.) Küstenstraßen und Fotostopp

Die Küstenstraßen, vor allem der „Ring of Kerry“, sind wunderschön. Aber bitte halten Sie zu Fotostopp’s nur dort, wo sie den übrigen Verkehr nicht behindern. Speziell hinter Kurven, und die gibt es viele, kann das sehr gefährlich werden. Meistens sind entsprechende Halte- und Aussichtspunkte eingerichtet. Handbremse nicht vergessen!

9.) … und die lieben Tiere

Natürlich ist damit zu rechnen, dass man plötzlich wie aus dem Nichts in eine Schafherde hinein gerät. Bitte Ruhe bewahren und nicht aufgeregt-panisch herum hupen. Auch muß in manchen Ortschaften, wo zum Beispiel ein Pferdemarkt ausgewiesen ist, auch wirklich mit sehr, sehr vielen Pferden incl. Pferdeäpfel auf der Straße gerechnet werden.

10. … zum Schluss

Bleiben Sie immer ruhig und freundlich. Die Iren sind es auch.

Werbeanzeigen

Veröffentlicht April 27, 2012 von freundederraumfahrt in Anderes

%d Bloggern gefällt das: