Sojus-29 und die Eröffnung des Militärhistorischen Museums Dresden

Der Ausstellungstipp
Sojus-29 und die Eröffnung des Militärhistorischen Museums Dresden,
besucht von Andreas Weise

(veröffentlicht in Raumfahrt Concret, 69/70, Seite 43, 12.2011 und auf sojus-29.de)

Was wünscht man sich als Betreiber eines neuen Museums? Es soll anregend sein und zur Diskussion und Auseinandersetzung auffordern und es soll viel Zulauf haben. In der Tat: Die Betreiber des neuen Militärhistorischen Museums haben im Moment beides . Ob letzteres daran liegt, das bis Jahresende der Eintritt frei ist, bleibt abzuwarten.
Nach mehrjährigen Um- und Neubau öffnete im Oktober das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden seine Tore. Der von Star-Architekt Daniel Libeskind völlig umgekrempelte Bau des alten Arsenals am Dresdener Olbricht-Platzes hatte es architektonisch in sich. Gekonnt wurde moderne Architektur mit klassischen Formen kombiniert. Ein wirklich tolles Gebäude. So wandelt man über historische Treppen um gleich darauf in Räume mit schrägen, kantigen Wänden zu gelangen.
Eine sehr gelungene Kombination, die kantigen und aneckbaren Räumlichkeiten mit einer ebensolchen Ausstellung zu kombinieren.

Womit wir bei der Ausstellung selber wären.
Die Bundeswehr als Hausherr hat sich hier etwas geleistet, was man ihr niemals zugetraut hätte. Allein die Diskussion, ob es sich um ein Militärmuseum, ein Antikriegsmuseum, ein deutsch-historisches Museum oder um eine zumindest teilweises Kunstmuseum handelt, zeigt, wie vielfältige man sich der Sache nähren kann. Und die Betreiber haben offensichtlich solche Diskussionen gesucht. Sonst wäre die Sammlung vermutlich nur als eine Aneinanderreihung von Jahreszahlen, Schlachten und technischen Daten präsentiert worden.
Der Besucher wird in einen Wald voller Themen geschickt und kann sich hier das für ihn interessante Gebiet heraussuchen.
Ein Ausstellungskonzept, was durchaus kontrovers diskutiert werden kann, nicht aber von vornherein schlecht sein muss.
Im Gegenteil.
Es regt zum Nachdenken an.

RC interessierte die Objekte, die etwas mit Raumfahrt zu tun haben. Speziell natürlich die Landekapsel Sojus-29, mit der der erste Deutsche im All, Sigmund Jähn, 1978 zu Erde zurückgekehrt war. Es rankten sich inzwischen eine Menge Gerüchte darum, was aus diesem einmaligen Exponat nach seinem Zwischenaufenthalt im Münchener Deutschen Museum geworden ist.
Das Objekt selber war schnell gefunden. An der Decke hängend, unerreichbar, in einer Entfernung von zig Metern. Details ließen sich nur mittels Teleobjektiv, bzw. Fernglas erkennen. Fotografieren war auf Grund der Größe und der Verschachtelung des schrägwandigen Raumes nicht richtig möglich. Die Kapsel war kombiniert mit einer A4-Rakete um „…. die Entwicklung der Militär-Raketentechnik bis zur heutigen bemannten Raumfahrt darzustellen soll. …“. Wobei, eigentlich war die Sojus die Ergänzung zur überdimensional wirkenden A4. An jene kam man auch heran. An der Wand flimmerte eine Video-Installation mit Texten aus Friedrich Dürrenmatt’s Theaterstück „Die Physiker“.
Alles … ich weis nicht!
Ich frage mich, wie ein einmaliges Objekt wie eine Sojuslandekapsel, dem Besucher vorenthalten wird, in dem man es innerhalb dieser Kunstinstallation in schwindelerregende Höhen hängt. Ich möchte das Objekt von Nahem sehen. Ich möchte in das Objekt rein sehen. Ich möchte selber sehen können, wie die Helden des Kosmos (Und das sind alle Raumfahrer, egal woher sie stammen!) in diesen engen Kisten zur Erde zurück fallen. Und ich möchte mir das Innere der Kapsel nicht nur per Foto im Museumskatalog ansehen. Und ich möchte einen sauberen historischen Bezug zu diesem Objekt haben.

Nun, im Museum wird noch hier und da gewerkelt und geschraubt. Die Ausstellung ist noch nicht hundertprozentig fertig. Gleichzeitig ist zu vermuten, dass man flexibel genug ist, einige Objekte noch umzustellen, wenn man feststellt, dass sie nicht optimal präsentiert sind. Platz wäre da. Museumsobjekte, die man nicht erreichen kann sind keine richtigen Museumsobjekte!

Vielleicht habe ich da aber etwas auch nicht richtig gesehen. Die Kapsel ist nicht fest an der Decke verschraubt. Sie hängt an Stahlseilen, die in Seilwinden münden. Ein richtiger Knopfdruck, und die Kapsel würde abwärts steigen. Vielleicht ist das auch geplant? Vielleicht befindet sich die Sojus-29 gerade im Landeanflug? Der Originalfallschirm sollte ja auch noch da sein! … Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass dieser Platz zwischen Himmel und Erde der Endlagerplatz für die Sojus sein soll!

Nein, ich kann es mir wirklich nicht vorstellen!

Veröffentlicht Dezember 1, 2011 von freundederraumfahrt in Kolumnen

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