Baikonur * Apollo-18 * Space Dogs (Belka und Strelka)

Die Flimmerstunde – Raumfahrt in deutschen Kinos
Gesehen von Andreas Weise

(veröffentlicht in Raumfahrt Concret, 69/70, Seite 42, 12.2012 und auf freunde-der-raumfahrt.de in stark geänderter Fassung)

Zum den letzten Monaten des Jahres waren drei ganz unterscheidliche Filme in die deutschen Kinos gekommen – und genau so schell wieder verschwunden. Sie alle hatten irgendwas mit Raumfahrt zu tun. Dann hörten aber die Gemeinsamkeiten schon wieder auf.

Mit dem Film “Baikonur” von Regisseur Veit Helmer startete ein wunderschönes Märchen und Liebesgeschichte. Der Ort: Die kasachische Steppe um Baikonur und die Stadt mit dem Kosmodrom selber.
Inhalt: Weltraumtouristin (besonders schön und natürlich Französin!) fällt vom Himmel. Will heißen, Ihre Sojus landet nicht im Zielgebiet und die Bergungsmannschaft findet sie nicht. Dafür aber ein junger Kasache. Eine schöne Liebesgeschichte beginnt, die aber nicht glücklich enden kann. Bei vielen Raumfahrtfans werden alle Haare zu Berge stehen, wenn sie ins Detail des Filmes gehen. Die Orte der Kosmonautenausbildungen, wie z.B. Zentrifuge und Aquakosmos, werden flugs vom Sternenstädtchen nach Baikonur im Film verlegt. Überhaupt erscheinen die Personen von Roscosmos etwas tollpatschig angelegt zu sein. Einen Raketenstart verhindert man mit einer Hand voll Kamelmist u.s.w. u.s.w. ! Egal! Es ist nur ein Märchen. Und dazu ein sehr schönes. Also vergessen wir das Herumnörgeln in Details und freuen uns an den schönen Bildern von Himmel und Weite Kasachstans, Baikonur und der handelnden Personen.
Empfehlenswert, vor allem, wenn man den Film zu Zweit ansieht.

Schon etwas deftiger geht es da in “Apollo 18” zur Sache., einem Film aus der Kategorie „Horror“.
Die Story: Die supergeheime Apollo-18-Mission fliegt 1974 zwei Jahre nach der offiziell letzten Mission Apollo-17 zum Mond um noch geheimere Beobachtungsanlagen aufzubauen. Es geht um die nationale Sicherheit, gegen die Russen und überhaupt. Also weis natürlich niemand auf der Erde, dass drei Astronauten unterwegs sind. Diese finden auf dem Mond einen sowjetischen Mondlander, einen toten Kosmonauten und bald scheint die beiden Mondfahrer das selbe Schicksal zu ereilen. Der Zuschauer ahnt von Anfang an, dass es keine Hoffnung auf Rettung gibt und so ist es auch. Ein Film ohne Hoffnung also. Erzählt wird das ganze von den Astronauten selber. In der Art von „blair witch project“ läuft ständig die Handkamera oder die Außenkamera und der Zuschauer glaubt, die Astronauten dokumentieren alles live selber mit. Dem Zuschauer wird vorgegaukelt, eine reale Dokumentation der Ereignisse zu sehen. Wie dann das Filmmaterial trotz totalem Scheitern der Expedition auf die Erde und dann auf die Leinwand gekommen ist, erschließt sich am Schluss nicht. Die Horror-Monsterchen scheinen aus dem Film “Alien” entsprungen zu sein. Ein richtiger Gruseleffekt wollte sich so nicht einstellen.
Aber es gibt auch positives. Die Kulissen sind super! Der US-Mondlander ist genau nachgebildet und die Bilder vom Mond sind so schön unscharf und verwaschen, verrauscht, das man sie glatt mit wirklichen Aufnahmen der realen Missionen verwechseln könnte. Ein Fest für Verschwörungstheoretiker und Mondlandungsleugner! Aber das Allerbeste ist der sowjetische Mondlander selber. Hier hat man sich an den Aufbau eines LK-Mondlanders gehalten. Man könnte fast glauben, die Kulissenbildner waren direkt in Moskau im Bauman-Institut und haben den dort noch stehenden Orginallander genaustens studiert. Sieht man genauer hin, gibt es für Technik-Fans eine Menge zu lachen auf Grund der technischen Naivität der filmischen Darstellung.
Fazit: Der Film ist sein Eintrittsgeld nicht wert und großer Unfug.

Kurz noch etwas zu “Space Dogs”, einem Kinder-Animationsfilm. Hierbei handelt es sich um den im letzten Jahr in Russland gedrehten Film “Belka und Strelka”. In Russland sind die historischen Ereignisse aus dem Jahre 1960, auf die sich dieser liebevoll gemachte Film bezieht, fast jedem Kind bekannt. Es geht um den ersten Hunde-Weltraumflug mit glücklicher Rückkehr zur Erde.
In Deutschland hat dieser Film es sehr schwer, ein verständnisvolles Publikum zu finden, da viele unterschwellige Anspielungen im Original-Film hier gar nicht verstanden werden können, weil einem das Hintergrundwissen fehlt. Folgerichtig ist auch die russische Filmmusik gegen englische Songs ausgetauscht, die den Film dadurch noch weiter vom Original entfremdet. Es ist zu hoffen, das wenn der Film auf DVD erscheint zur deutschen Version auch die originale russische Version begefügt ist. Und dabei muß man gar nicht unbedingt der russischen Sprache mächtig zu sein um den Charme und Witz in den Figuren zu verstehen. Trotz aller Unzulänglichkeiten entfehlenswert. Also warten wir auf die DVD.

Veröffentlicht Dezember 1, 2011 von freundederraumfahrt in Kinoseite

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