Das Projekt CSS Commercial Space Station

Auf der MAKS 2011 vorgestellt:
Das Projekt CSS „Commercial Space Station“

(gedruckt in Raumfahrt Concret, Heft 69/70, Seite 32-33, 2011)

In Rußland setzt man nach wie vor auf eine touristische Geldquelle besonderer Art, den Weltraumtourismus.
Hierzu erfolgte ein weiterer logischer Schritt. Auf der MAKS 2011 stellte die Firma Orbital Technologies ihr Vorhaben eines Weltraumhotels vor. Das das Projekt mehr als nur eine Unterkunft für zahlungskräftige Weltraumtouristen sein soll, kann man schon am Namen ablesen: Comercial Space Station (CSS). Dabei ist die Buchstabenkombination nicht zufällig gewählt und ähneln stark der großen Raumstation ISS.
Die Betreiber will das Raumstationsmodul nicht nur als ein Weltraum-Hotel betreiben, sondern auch als eine Forschungsstation für private Firmen und Investoren anbieten. Außerdem besteht die Möglichkeit, die CSS als Rettungsinsel für gestrandete Kosmonauten/Astronauten/Taikinauten zu nutzen, zum Beispiel bei einer eventuell notwendigen Evakuierung der Internationalen Raumstation ISS. Man erinnere sich an so manches Problem mit herumfliegenden Weltraumschrott in Richtung ISS. Die Idee ist also sehr ernst gemeint. Die Flugbahn soll der der ISS in einer Höhe von 350 Kilometern entsprechen. Dabei wird die Entfernung zur ISS in etwa 100 Kilometer betragen. Ein Pendelverkehr zwischen den Stationen und der direkte Kommunikationsaustausch werden möglich sein. Interessant ist auch, das man plant, Kopplungsmöglichkeiten für alle gängigen Weltraumschiffe zu realisieren. Genannt werden dabei ausdrücklich: Soyuz-TMA, Progress, ATV, ARV, Shenzou und Dragon. Die Aufenthaltsdauer auf der Station durch die verschiedenen Besucher soll sich je nach Zweck des Besuches in drei Zeitbereichen bewegen: Kurze-Aufenthaltsdauer von 3-14 Tagen, Mittlere Aufenthaltsdauer zwischen 1-2 Monaten und Langzeitaufenthalte zwischen 4-6 Monate.
Die Belegung der Station ist mit bis zu sieben Personen möglich. Dabei ist die Rede bei der Unterbringung von „vier Doppelzimmern“. Konkrete Daten über Abmessungen waren offiziell nicht zu bekommen. Berücksichtigt man aber bei den veröffentlichten Zeichnungen die darauf abgebildeten Sojus-Raumschiffe, so kommt man auf eine Objektgröße, die in etwa der Länge eines ATV entspricht, aber einen kleineren Durchmesser hat. Für sieben Personen sollte es also etwas kompakt werden.
Die Gesamtlebensdauer der Sation ist mit mindestens 15 Jahren angegeben. Der Einsatz ist ab 2016 geplant.
Als Zubringer dienen Sojus- und PPTS-Raumschiffe. Auch gibt es nach Aussage des Betreibers bereits zahlungskräftige Interessenten.
„Das erste Modul des Weltraumhotels könnte 2012 oder 2013 fertig sein und dann Ende 2015 oder Anfang 2016 ins All gebracht werden“. So wird Orbital Technologies-Chef Sergej Kostenko zitiert. Kostenko war 2005 für den Weltraumtouristen Olsen das Double für den Flug Sojus TMA-7. Außerdem ist er im Vorstand der russischen Firma Space Adventures.
Orbital Technologies hat sich für die Umsetzung des Projektes starke Partner mit ins Boot geholt. Von russischer Seite stehen hier die russische Raumfahrtagentur Roscosmos und der Raumfahrtkonzern Energia. Letztgenannter dürfte als Hersteller von Sojus-Raumschiffen und Raumstationsmodulen über ein umfangreiches Wissen und die Erfahrung verfügen, um die CSS entsprechend aller Vorgaben kostengünstig und termintreu zu bauen. Die zum Einsatz kommende Technik ist seit Jahren erprobt und bietet also einen entsprechend hohen Sicherheitsstandardt. Interessant wird sein, welche Trägerrakete zum Start ausgewählt wird. Die Auswahl kann die Gesamtkosten des Projektes nicht unerheblicher beeinflussen. Vielleicht hat man sich geade deshalb auf die kompakten Abmessungen der Station beschränkt.
Bleibt zu hoffen, das allen Beteiligten nicht die finanzielle Puste ausgeht. Ein Erfolg wäre diesem interessenten Projekt durchaus zu wünschen.

Veröffentlicht September 20, 2011 von freundederraumfahrt in Technik und Projekte

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