Ein Tag auf der MAKS 2011

Kleine, absolut subjektive, Impressionen von Russlands Raumfahrtschau auf der MAKS 2011
Eine Kolumne von Andreas Weise
(in leicht gekürzter Form gedruckt in Raumfahrt Concret, Heft 68, Seite 37, 2011)

Freitag, 19.August: Brütend heißes Wetter in und um Moskau. Genau das richtige also, um einmal die Gelegenheit zu nutzen auf Russlands großer Luft- und Raumfahrtschau das Staunen zu lernen. Gefühlte einen halbe Millionen Besucher. (Wieviel wirklich da waren, weis ich nicht.) Ohne Zweifel: das ist hier das Heimspiel der russischen Luftfahrtindustrie. Speziell die russischen Rüstungsindustrie und die russische Luftwaffe zeigten, was man zur Zeit so alles in die Luft bekommt. Vom Superjäger bis zur kompakten Raketen-Luftabwehr im Containerformat.
Alle ausländischen Gäste erscheinen hier eher wie ein Höflichkeitsbesuch, und das trotz Anwesenheit von A380 und F-15. Am Himmel donnern Suchoj, MiG und Co. und vollführen dabei Kunstflugnummern, die man eigentlich als Laie nicht für technisch möglich gehalten hätte.

RC interessierte sich natürlich speziell für die russische Raumfahrt.
Hierzu hatte ROSCOSMOS einen eigenen Pavillon.
Nach dem Eindringen in das Gebäude durch die Menschenmassen sofort ein Modell eines neuen Raketenabschusskomplexes. Wer aber jetzt glaubte, es handelte sich um den neuen russischen Weltraumbahnhof Wostotschny, wurde enttäuscht. Nein, es war der Sojusstart in Kourou. Diese Modell hatte man schon vor Jahren zur ILA besichtigen können. Gegenüber dann der Stand von ENERGIA mit dem Hinweis auf die lange Tradition: Gagarins 50sten Flugjubiläum. Neben dem 1:1-Modell einer Wostok im Größenvergleich ein Modell des aktuellen Sojusnachfolgers PPTS. Beim genaueren hinsehen musste man aber feststellen, das es sich nur im eine Disgn-Studie handelte. Ein hohler Kegel mit sechs Liegen und einigen angedeuteten Instrumenten. Toll in Szene gesetzt, aber leider mehr auch nicht. Erinnerungen zum Studien-Modell eines bemannten ATV auf der ILA 2008 wurden da wach. Man staunte, aber so richtig neu informiert war man nicht. Interessant vielleicht die Tatsache, dass die Einstiegsluke stark vergößert war und die Kosmonauten-Sitze fast im Kreis angeordnet waren. Ebenfalls am Stand von Energia die Präsentation einer „Kommerziellen Raumstation“ für Weltraumtouristik (?) und Mondflüge. An der Decke schwebte ein Modell der ISS wo man bei ganz genauem Hinsehen drei neue Module am russischen Segment entdecken konnte.
Beim Raketenhersteller Chrunitschew waren Modelle von Angara und Sojus in den verschiedensten Varianten ausgestellt. Fragte man aber etwas genauer nach, so erhielt man keine klaren Antworten über Realisierungstermine. Irgendwie hatte man alles schon einmal gesehen. Auch bei Lawotschkin hielt man sich diskret zurück. Immerhin gab es das Modell von Phobos-Grunt zu bestaunen. Ganz anders bei den „privaten“ Raumfahrtunternehmen. So zum Beispiel Airlaunch. Hier wurde geduldig genau erklärt, was man mache und gedenke noch zu machen. Die Idee, Satellitenträger vom Flugzeug aus zu starten ist zwar nicht ganz neu, hat aber bestimmt das Potential, an dieser Stelle einmal etwas ausführlicher dargestellt zu werden.
Fazit: Tolle Schau, aber wirklich etwas Neues? Zumindestens war in diesem Tag nichts mehr in den Menschenmassen zu finden. Insofern etwas enttäuschend.

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Veröffentlicht September 1, 2011 von freundederraumfahrt in Kolumnen

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