„Lügen im Weltraum“ und das Problem einer überzeugenden Beweisführung

Der Versuch einer Buchkritik zu Gerhard Wischnewski’s Buch „Lügen im Weltraum“, erschienen 2005 bei Knaur Taschenbuchverlag

von Andreas Weise, Aufsatz, letzte Überarbeitung Oktober 2009, 79 Seiten. Nicht zur Veröffentlichung vorgesehen (Stand 2016).

LESEPROBE

Ladeburg, April 2009

Vorwort zum Vorwort

Nachdem ich im Februar 2006 mit diesem Artikel angefangen hatte, diesen ab Sommer 2006 und Sommer 2007 versucht habe zu beenden, hier nun der dritte (und hoffentlich letzte, endgültige) Versuch. Ich halte es deshalb für notwendig, weil man unter google beim Suchbegriff „Wisnewski Lügen im Weltraum“ auf 2.460 Treffer kommt (April 2009).   Und das finde ich zu viel!

Lügen im Weltraum“ und das Problem einer überzeugenden Beweisführung

Der vorliegende Artikel ist der Tatsache geschuldet, das ich einfach über einen längeren Zeitraum Zeit hatte, intensiv zu lesen. An das Krankenhausbett gefesselt versuchte ich die Lange Weile mit einem guten Buch tot zu schlagen. Hierbei sollte die Betonung auf „einem guten Buch“ liegen. Das bedeutete nicht ein oberflächliches und auszugsweise überfliegen der Texte, sondern ein wirkliches lesen von der ersten bis zur letzten Seite. Man hatte ja Zeit.

Mehr durch Zufall bekam ich dann Gerhard Wisnewski’s Buch „Operation 9/11 – Angriff auf den Globus“ (1) und anschließend die Fortsetzung „Mythos 9/11 – Der Wahrheit auf der Spur“ (2), in die Hände. Hierbei beschreibt Wisnewski nach seiner Darstellung Lügen und Fälschungen von Medien und Geheimdiensten über die Attentate vom 11. September 2001. In sehr spannender Art und Weise wird eine Kausalkette aufgebaut, die einerseits eine genaue Schilderung der bekannten Ereignisse abgibt. Dazu entwickelt der Autor eine aus seiner Sicht logische Variante des Ablaufes des Geschehens und versucht damit den Ungereimtheiten der Ermittlungsergebnisse einen Sinn zu geben. Das Ergebnis ist verblüffend einfach wie logisch. Aber Wisnewski begnügt sich nicht mit der Schilderung der Ereignisse. Er erläutert auch seine Sicht, warum die Ereignisse so abliefen und welche politische Mechanismen dahinter stecken.

Große Nachdenklichkeit war bei mir die Folge. Da wollte Ich doch gerne wissen, wer dieser Gerhard Wisnewski ist. Beim Online-Nachschlagewerk Wikipedia wurde ich schnell fündig.

Ab 1979 arbeitete er für die Frankfurter Nachrichten, Blitz-Tip, Frankfurter Neue Presse und die Bild Frankfurt. 1981 bis 1990 studierte er Politikwissenschaft in München. Er arbeitet gleichzeitig für verschiedene Münchener Zeitungen, so z.B. Münchner Stadtzeitung, Stern-München, P.M. Magazin (5).

Eine gute Empfehlung für Wisnewski ist das Buch „Das RAF-Phantom“ (3), wo er Co-Autor war. Der auf diesem Buch basierende Fernsehfilm „Das Phantom“ gewann im Jahr 2001 den 3sat-Zuschauerpreis und den Grimme-Preis. Alles in Allem eine sehr gute Reputation – dachte ich.

Wisnewski soll sich mit dem Nachrichtenmagazin SPIEGEL streiten. Begriffe wie „Verschwörungstheoretiker, manipulierte Interviews, …“ auf der einen und „Rufmord, …“ auf der anderen Seite stehen im Raum. (5) Aber lassen wir das beiseite. Auch Wikipedia.de hat nicht immer die absolute Wahrheit gepachtet.

Fazit für mich: Es lohnt sich vermeindlich gegebene Sachverhalte zu hinterfragen. Auch oder gerade weil ich nicht unbedingt ein Anhänger von diversen Verschwörungstheorien bin.

Und nun halte ich Wisnewskis neues Buch „Lügen im Weltraum – Von der Mondlandung zur Weltherrschaft“ vom Knaur Taschenbuchverlag vom Oktober 2005 in den Händen (4).

Akribisch seziert Bestseller-Autor Gerhard Wisnewski die Geschichte der Raumfahrt. In einem kriminalistischen Puzzlespiel deckt er eine unglaubliche Serie von Lügen, Fälschungen und Inszenierungen auf.“ So steht es auf dem Buchrücken. Spannung garantiert. Außerdem ist das mein(!) Thema.

Die Geschichte von Luft- und Raumfahrt verfolge ich seit meiner Kindheit als Hobby.

In meinem Bücherschrank hat sich schon so einige Literatur zum Thema angesammelt, Wohl gemerkt, ich betrachte mich nicht als „Fachmann“, „Wahrheitskenner“ oder gar „Sachverständien“. Meine Wissensquellen sind allgemein zugänglich. Keine „Geheim-Berichte“ oder ähnliches.

Natürlich war mir auch bekannt, dass es, nun sagen wir mal vorsichtig, gewisse Zweifel an einigen historischen Gegebenheiten in Sachen Raumfahrt gibt. Das Gerücht, ob bei der Mondlandung alles mit rechten Dingen zugegangen ist, ist ja nicht unbedingt neu. Gibt es doch Unmengen von Artikeln von selbsternannten Wahrheitskennern, die sich dann leider im Inhalt als physikalischer, technischer oder geschichtlicher Blödsinn herausstellen. Auch entartet die Diskussion im Internet zu diesem Thema eher zum Glaubenskrieg: „Bist du dafür oder dagegen, dass wir glauben oder nicht glauben das es passiert sein könnte oder nicht… .“

Auf dem deutschsprachigen Buchmarkt tut sich vor allem Herr Gernot L. Geise mit seinen beiden Büchern „Die dunkle Seite von Apollo“ (6) und „Die Schatten von Apollo“ (7) hervor. Er verkörpert geradezu den Kreuzritter der Fraktion der „Mondlandungslügen-Beweiser“. Die Meinungen über diese Bücher reichen von Zugestehen einiger interessanter Ansätze bis zu dem Vorwurf der Verbreitung von Halbwahrheiten und technischem Unfug. Doch dazu (vielleicht) an anderer Stelle mehr.

Aber jetzt sollte ja alles anders werden. Wisnewski hat sich mit dem Thema beschäftigt und das verspricht interessante und gut recherchierte Literatur, …Endlich jemand, der sich seriös mit dieser doch sehr nebolösen Materie auseinander setzt – dachte ich. Ich nehme an, das gerade dieses Buch von Leuten gelesen wird, die ein bisschen mehr sich mit der Geschichte der Raumfahrt beschäftigt haben, als der „Nicht-Raumfahrt-Fan“.

Der ersten Schnell-Lektüre des Buches folgte ein zweiter Lesedurchgang. Als das Buch dann immer noch nicht besser wurde, war ich nicht nur enttäuscht, sondern auch sauer.

Der Grundgedanke der Story ist nachvollziehbar. Manipulation zur Durchsetzung politischer Ziele… . Aber, aber, aber ! Die technische Beweisführung ist nach meiner Meinung an einigen Stellen grauenvoll schlecht recherchiert. Und so läuft das Buch Gefahr, durch unsauber recherchierte Sachverhalte die gesamte Glaubwürdigkeit zu riskieren. Man kann eben nicht eine geschichtlich politische Aussage dem Leser verkaufen wollen und zu dieser sich dann die entsprechenden mutmaßlichen technischen und historischen Fakten zusammenbasteln.

Also fing ich an, an Herrn Wisnewski einen Leserbrief zu verfassen. Zu dem Zeitpunk kannte ich seine Homepage noch nicht und glaubte, mit ein bis zwei A4-Seiten wären die Ungereimtheiten zu klären. Als ich auf Seite 7 im Manuskript angekommen war merkte ich, so geht es nicht ! Entweder geht man ins Details oder man lässt es sein. Ich habe mich bemüht aus der mir zugänglichen Literatur die entsprechenden Informationen wiederzugeben. Ich habe mich bewusst nicht in so manches Internet-Forum gestürzt. Bestimmt wird der aufmerksame Leser feststellen, dass einiges, was ich hier zusammengetragen habe auch von anderen Autoren schon einmal präsentiert worden ist. Es sollte mich freuen.

Gut. Ich ging das Weltraumbuch von Wisnewski Seite für Seite durch. Genau so chronologisch habe ich dann meine Kommentare zu Papier gebracht. Es empfiehlt sich also, meinen Artikel parallel zum Buch zu lesen. Verstehen Sie meine Bemerkungen als Randglossen zum Text. Daher auch die entsprechenden Seitenverweise.

Es war nicht meine Absicht, den Grundgedanken des Buches anzugreifen. Die Konzentration lag ausschließlich auf den technischen und historischen Sachverhalten. Lob an dieser Stelle an Herrn Wisnewski. Ohne seine gut geführte Anhänge wie Register, Literaturverzeichnis, Anmerkungs- und Bildverzeichnis hätte diese Arbeit nicht so viel Spaß gemacht. Zeig mir dein Literaturverzeichnis und ich weiß, wo du abgeschrieben hast. Nein! Wirklich nicht! Das wäre an dieser Stelle nicht fair!

Anfang 2008 bin ich dann am „Teil1: Sowjetunion“ entgültig hängen geblieben und habe mich voll auf Gagarin und sein geschichtliches Umfeld konzentriert. Die Diskussion über das pro und Kontra zur Mondlandung benötigt nicht noch einen weiteren Diskutanten im Glaubenskrieg gegen Lügen, Falschaussagen und groben Nonsens. Ich weis dieses Thema gut aufgehoben bei vielen fachkundigen Menschen. Stellvertretend möchte ich an dieser Stelle Herrn Helmut Dette nennen. Sein Buch „Apollo 11 – Der erste Flug zum Mond“ ist sehr zu empfehlen. Ich habe mich sehr gefreut, daß ich im Sommer 2009 ihn besuchen konnte und hoffe, er wird noch einige Vorträge in Fulda dazu halten können.

Auch habe ich ab Oktober 2009 den Bearbeitungsstand in der Fußleiste angegeben. Es war doch für mich doch schon fast unübersichtlich mit mehreren Bearbeitungsständen zu arbeiten. Im Laufe der Zeit habe ich mein Manuskript mehrfach umgeschrieben. Dabei habe ich teilweise die Zeitformen vermischt und auch mal die Briefform gewählt. Auch hoffe ich, bei meinen Literatur- und Bildquellenangaben nicht allzu viele Fehler gemacht zu haben. Für alle Unzulänglichkeit entschuldige ich mich.

Auf geht’s.

Veröffentlicht Oktober 1, 2009 von freundederraumfahrt in Raumfahrtgeschichte

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